Rüstung und Waffen - Einhändiges Schwert

Einhändiges Schwert mit Scheide und weissem Schwertgurt
Schwert und SchwertscheideDetail der Beriemung und des Griffes
(1300 - 1380)
Kaum eine Waffe ist so sehr Inbegriff des Rittertums wie das Schwert. Es stellte nach dder Lanze die Zweitwaffe des Ritters dar.
Über die Wirkung dieser Waffe geben mittelalterliche Skelettfunde Auskunft, und bilden die Grundlage für zahlreiche moderne Fehlurteile.
Anders als es uns Hollywood glauben macht, war das mittelalterliche Schwert kein kiloschwerer Prügel, sondern eine präzise, leichte Waffe, die mit asiatischen Vorbildern keinesfalls den Vergleich scheuen musste.
Bis Anfang des 14ten Jahrhunderts dominieren die zusammen mit einen Schild geführten einhändigen Schwerter. Erst mit Verstärkung der Rüstung verringert sich die Grösse des Schildes, tauchen vermehrt auch zweihändig zu führende Schwerter auf.

Von der Kunst des mittelalterlichen Schwertkampfes berichten in dem Zeitraum dieses Exemplares zwei Schriften, das Tower Fechtbuch (auch I.33 genannt), und die Lehren des Johannes Liechtenauer.
Ersteres ist das älteste uns bekannte mitteleuropäische Fechtbuch, und beschäftigt sich mit dem Kampf mit Buckler und einhändigem Schwert, während die erste Aufzeichnung der Lehren Johannes Liechtenauers, das HS.3227a in den Beständen des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg, den Fokus auf dem Kampf mit dem langen Schwert hat.

Verwande Waffen des gleichen Zeitrahmens

Verwandte Waffen späterer Jahrhunderte

 

Vorlage

Das vorliegende Exemplar ist nach Originalen aus dem Zeitraum 1300-1400 angefertigt, und ist in vielen Bildquellen aufzufinden.
Anders als die Originale ist diese Ausführung um einiges schwerer, da es als Traingsgerät mit stumpfer Schneide ausgeführt ist (ca. 300g schwerer als die Originale).

Die Schwertscheide ist aus Eschenholz gefertigt, mit Kaninchenfell gefüttert, und mit Kalbsleder überzogen.

Der Griff des Schwertes besteht aus Holz, und ist mit Kalbsleder bezogen, und mit einer gewobenen Seidenzierwicklung versehen, die mit Messingnägeln fixiert wurde.

Der weisse Gurt als ritterliches Symbol der Reinheit wurde nach Vorlagen englischer und franzöischer Grabplatten angefertigt.
Er besteht aus weiss gegerbtem Leder, und ist mit einer Ziernaht aus blauer Seide versehen. Die Beschläge, Schnalle, Schnallenblech und Riemenzunge sind aus Messing gefertigt, und basieren auf deutschen und englischen Bodenfunden.

Abweichend von den Originalen ist dieses Exemplar stumpf ausgeführt, und ist dadurch etwas schwerer (Originale ca. 1000 - 1200g).

Näheres zur Oakeshott-Klassifikation bei Wikipedia.

Schwert vom Typ Oakeshot XII.: Schwert  aus derm Grab König Sanchos IV von Kastilien, um 1300
(In unserem Besitz seit 05/2005 / Stand 23.09.2016)
 

Quellangaben

Schwert von Can Grande Della ScallaSchwert von Can Grande Della Scalla. Einhändiges Schwert mit Scheibenknauf und gerader Parier, datiert 1329. Oakeshot Typ XII. aus dem Archeologischen Museum in Verona. Der Griff weisste eine Zierwicklung aus Seide über dem Lederbezug auf.
Grabplatte von Robert de BuresGrabplatte von Robert de Bures (gestorben 1302)
Grabplatte von Wilhelm von Bopfingen Grabplatte von Wilhelm von BopfingenDie Grabplatte befindet sich in der evangelischen Pfarrkirche von Bopfingen und wird auf 1359 datiert. Auffällig ist die realtiv altmodische Rüstung, die aus Plattenrock, Ringpanzer, Armschienen, Panzerhandschuhen, Beckenhaube, Kniebuckeln und Beinschienen besteht, letztere Über Ringpanzerbeinlingen, die Kniebuckel in bereits ausgeprägter Form. Diese Art der Rüstung ist im deutschen Raum noch bis ca. 1370 anzutreffen, wird aber zunehmend durch tailliertere Torsopanzer und komplette Beinzeuge ersetzt.
AlexanderromanDer Alexanderroman, vermutlich ca. 1338-44 in Flandern (aus der Hand des flämischen Illustrators Jehan de Grise und seiner Werkstatt) entstanden, enthält Verse in französischem (picardischen) Dialekt und (ab 1400) Englisch über "Romance of the Good King Alexande" (über Alexander den Grossen), sowie illustrierte Berichte über die Reisen Marco Polos. Es stellt eine hervorragende Quelle für französische Mode um die Mitte- genauer der ersten Hälfte der 40ger Jahre- des 14ten Jahrhunderts dar.
Heidelberger LiederhandschriftDie Grosse Heidelberger Liederhandschrift, auch genannt "Codex Manesse", oder Pariser Handschrift stellt die bedeutenste und berühmteste Quelle deutscher Dichtkunst des ausgehenden Mittelalters dar. Ca. im Zeitraum 1305-1340 (inklusive Nachtragsmaler) entstanden, zeigt sie in den insgesamt 138 Miniaturen ausserdem historisierend Mode des ausgehenden 13ten Jahrhunderts, sowie Mode der ersten Hälfte des 14ten Jahrhunderts.
 

Empfohlene Literatur


. . .
. The Archaeology of weapons .
. .
. .
. . .
The Archaeology of weapons
R. Ewart Oakeshott, Dover Books
Hervorgander, wenn auch nicht ganz aktueller Überblick über Waffen und Rüstungen des Mittelalters
0-489-29288-6 (German).
 

. . .
. Codex Manesse .
. .
. .
. . .
Codex Manesse
Ingo F. Walther, Insel, Frankfurt
Die große Heidelbergerliederhandschrift, auch "Codex Manesse" genannt, entstand im Zeitraum 1305-1340 und ist eine der bedeutensten Lyriksammlungen der deutschen Geschichte. In diesem Buch werden nicht nur die Farbtafeln in guter Qualität abgedruckt, sondern auch deren Inhalt und Bedeutung analysiert. Die Lieder selbst sind nicht Gegenstand des Buches.
3458143858 (German).
 

<< Zurück zu anderen Gegenständen in dieser Kategorie