Kleidung - Leinenwams

Wams aus indigogefärbtem LeinenAnsicht von Hinten
Detail des Kragens
(ca. 1475 - 90)
Wie auch bei der Kombination " Süddeutsches Wams mit Hose ",wird dieses Wams an einer Hose genestelt getragen. Leinenbekleidung begegnet uns im Fundgut sehr selten, was auch an der Kurzlebigkeit pflanzlicher fasern im Boden liegen mag, jedoch schweigt sich hierzu auch die textuelle Quellage aus: nur wenige Erwähnungen leinerner Oberbekleidung begegnen uns. Und wenn, dann ist die Interpretation des Wortes "Leinen" auch nicht sicher: meinte der Autor das nahezu einzig heute bekannte Flachsleinen, oder gar Leinen aus Hanffasern?
Leinen, das im Gegensatz zu Wolle kaum wärmende Eigenschaften bei kalter Witterung besitzt, und im Gegensatz zu Wolle im feuchten Zustand sehr schnell kühlt, ist vor allem in der Unterbekleidung des Mittelalters nachweisbar, wie einige Funde belegen. Jedoch legen einige wenige Quellen, sowie der herausragende Fund von Kleidung der frühen Reformation aus Alpirsbach nahe, dass Leinen für stabile, leicht zu reinigende Arbeitskleidung gewählt wurde.
 

Vorlage

Das Wams wurde nach verschiedenen Vorlagen, vor allem aber auf basis eines Altarbildes von Memling (ca. 1479) aus mit Indigo gefärbtem Hanfleinen hergestellt. Das Futter besteht aus festem Flachsleinen. Es ist mit Nesteln aus rotem Leinen verschlossen.

Wie auch andere Wämser wird dieses Wams primär bei schwerer körperlicher Arbeit ohne ein weiteres, bedeckendes Kleidungsstück, wie eine Jacke, Schecke oder Kittel, getragen wurden sein.
Memling, Tryptichon mit der mystischen Vermählung der hl. Katharina, 1479
(In unserem Besitz seit 05/2007 / Stand 26.11.2009)
 

Quellangaben

Nestelspitzen aus LondonNestelspitzen aus Ausgrabungen in London
Funde von HerjolfnesIn dem Fundkomplex bei Herjolfnes, Grönland, wurden zahlreiche Textilien des Zeitraumes 1300-ca.1420 gefunden, womit es eine der bedeutensten Fundquellen für spätmittelalterliche Textilien darstellt.
MS Harley 2320MS Harley 2320, datiert auf das späte 15te Jahrhundert, der British Library. Beinhaltet verschiedene Muster für Fingerschlaufentechnik.
Tollemarch Book of householdHausbuch der Tollemarch Familie, spätes 15tes Jahrhundert, England, beinhaltet detaillierte Anleitungen zum Fingerschlaufenweben mit zahlreichen Mustern
Spätmittelalterliche Gemälde aus NürnbergVerschiedene Gemälde aus Nürnberg (Nürnberger Lorenzkirche, Germanisches Nationalmuseum), aus dem Zeitraum 1380-1500.
Gemälde des Martin SchongauerMartin Schongauer, ca. 1440/50-1491, Maler und Kupferstecher war ein bedeutender Künstler des späten Mittelalters. In seinen Werken dokumentierte er unter anderem für den heutigen Kostümhistoriker relevante Elemente der Mode vor allem süddeutsch-italienischen Einflusses in unter anderem oberrheinischen Regionen
Cod.icon. 394aCod.icon. 394a,datiert auf ca. 1469, oder auch "zweiter Gothaer Codex" des fechtmeikster Hans Talhoffers, einer der berühmtesten Fechtmeister des späten Mittelalters. Talhoffer verfasste sechs illustrierte Manuskripte über die Kampfkunst und den gerichtskampf, und stand in der Tradition Johannes Liechtenauers. Seine Manuscripte sind neben unverzichtbarer Quelle für die Entwicklung der Liechtenauerschen Lehre auch eine hervoragende Studie an Kleidung süddeutscher Trachtentradition und italienischen Einflusses der Zeit, die sehr detaillreich in allen möglichen Bewegungssituationen und damit sehr realistisch dargestellt wird.
Tryptichon von Memling, 1479Memling, Tryptichon mit der mystischen Vermählung der hl. Katharina, 1479. Henker mit 4teiligem Wams mit weit ausgeschnittenem Kragen
Funde aus dem Kloster AlpirsbachFunde aus dem Benediktinerkloster Alpirsbach im Schwarzwald. Die bei Renovierungsarbeiten 1958 entdeckten Funde von Kleidung der Reformationszeit stellen eine einzigartige Kombination erhaltener frühreformatorischer Kleidung aus Leinen, bestehend aus Wams, und Hose mit Schamkapsel, dar.

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