Kleidung - Kleid mit angesetzten Rockteil

Kleid aus krappgefärbter Wolle mit angesetzten RockteilIn einer gotischen Stube
Am Fenster in Burg Kriebstein
(spätes 15tes Jahrhundert)
Als einer der bedeutensten Neuerungen in der Mode der europäischen Frau tritt im Verlaufe des 15ten Jahrhundert der angesetzte Rockteil ins Licht der Geschichte, der nach 1500 schliesslich zu der Trennung des Kleides in Mieder und Rock führt. Das erste nachweisbare Kleidungsstück mit einer horizontalen Trennung des Tuchs oberhalb und unterhalb der Taille, ist vermutlich der Paltock oder Pourpoint von Charles de Blois, datiert auf ca. 1360. Dieses Männerkleidungsstück weist die erste schneidertechnisch absichtlich eingesetze horizontale Naht auf, die im Folgenden in der Mode des Mannes als angesetzter Schoss am Wams weite Verbreitung erlangt. Jedoch erst im Verlaufe des frühen 15ten Jahrhunderts bringt die Mode der Frau, die Anfang des vorherigen Jahrhunderts das modische Prinzip des schlank und eng geformten Torsos, und des weiten Rockteiles definiert hat, die ersten Darstellungen von vermutlich angesetzten Röcken hervor. Diese Neuerung erlaubt es, den Torsoteil noch weitaus genauer auf den weiblichen Oberkörper anzupassen, und stoffsparend den Rock mit einen grosszügigen, durch eingenähte Falten begünstigten, weiten Fall auszustatten.
 

Vorlage

Dieses Kleid wurde auf Basis verschiedener Darstellungen des späten 15ten Jahrhunderts gefertigt. Es besteht aus krappgefärbter Wolle, und ist am Torso und an den Ärmeln mit naturfarbenen Leinen gefüttert. Frontal ist es mit Haken und Ösen aus Messing verschlossen, an dsen Ärmeln mit Stoffknöpfen, die mit einer Knochenperle gefüllt sind.
Versch. Darstellungen von Kleidern mit angesetzten Rockteil und/oder Hakenverschluß , spätes 15. Jhd
(In unserem Besitz seit 10/2007 / Stand 23.04.2009)
 

Quellangaben

Spätmittelalterliche Gemälde aus NürnbergVerschiedene Gemälde aus Nürnberg (Nürnberger Lorenzkirche, Germanisches Nationalmuseum), aus dem Zeitraum 1380-1500.
Hausbuchmeister, 15tes JahrhundertDarstellungen des sogenannten Hausbuchmeisters, benannt nach seiner Arbeit am Wolfegger Hausbuch. Neben Schongauer einer der bedeutensten deutschen Kupferstecher und Zeichner. Wirkungszeitraum ca. 1470-90
Wolfegger HausbuchHausbuch des Fürsten von Waldburg-Wolfegg, ca. 1475-85, auch "Wolfegger Hausbuch". Eine der bedeutensten Quellen für spätmittelalterliche, süddeutsche Mode.
Die Schedelsche WeltchronikDie berühmte Weltchronik des Hartmann Schedel, geboren 1440 in Nürnberg, auch: Nürnberger Chronik, oder Schedelsche Weltchronik, datiert auf 1493. Eines der bedeutensten Beispiele der mittelsalterlichen Buchdruckkunst, wurde sie von Anton Koberger in Nürnberg gedruckt. Man konnte sie für 3 bis 3,5 Gulden für die ungebundene, für 5 für die gebundene, und für 8 Gulden für die gebundene und kolorierte Ausgabe erwerben. Sie umfasst die Beschreibung der "7 Zeitalter" von der Erschaffung der Welt über die "Gegenwart" bis zum Jüngsten Gericht. Sie ist in Latein und Deutsch publiziert worden, und enthält 1804 Holzschnitte aus der Werkstatt des Nürnberger Malers Michael Wolgemut
Kupferstiche des Israhel van Meckenem (des Jüngeren)Israhel van Meckenem war ein Schüler des Meister E.S. und ein bedeutender Kupferstecher der späten Gotik
Oberrheinische MeisterMalereien oberrheinischer Meister, spätes 15tes Jahrhundert
Gemälde im Landesmuseum JoanneumGemälde im Landesmuseum Joanneum, Graz, Steiermark, Österreich, ca. 1480-90
Altarbild, Hugo van der GoesAltarbild, Hugo van der Goes, "Kavaleriealtar", spätes 15tes Jahrhundert
Gemälde von Hans Hohlbein der ÄltereGemälde von Hans Hohlbein der Ältere, Mariä Geburt, 1480
Gemälde aus der Evangelischen Kirche in BiertanGemälde aus der Evangelischen Kirche in Biertan, Siebenbürgen, Rumänien, ca. 1480

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