Kleidung - Gestreifte Cotehardie

Cotehardie aus gestreifter Wolle in Naturbraun und schwarz, mit Cochenillegefärbten Knöpfen
(ca. 1345-1400)
Während die weibliche Mode der Hochgotik weite, faltenreiche, verhüllende Schnitte bevorzugte, änderte sich, vermutlich ausgehend von Frankreich, im Verlaufe des 13ten Jahrhunderts bis Mitte des 14ten Jahrhunderts der Modestil völlig.
Die rechteckigen Schnitte mit dreieckigen, eingesetzten Keilen wichen teils komplizierten Schnitten mit einer Vielzahl den Körper angepassten Keilen, um das Ideal zu erreichen: bis zur Hüfte eng geschnittene, darunter reich in Falten fallende Kleider, und eng anliegende Ärmel bis zur Schulter.
Während die Knöpfung im frontalen Bereich in Deutschland sowohl in der Männer-als auch besonders der Frauenmode noch etwas auf sich warten liess, begann man schliesslich, Kleidungsstücke vom Halsauschnitt bis zum Saum durchzuknöpfen, und darüber hinaus die bereits gängige Knöpfung bis zum Ellenbogen bis zur Schulter auszuweiten.
Das nunmehr entstandene Kleidungsstück erhielt in Frankreich als Abwandlung der älteren "Cotte" (Kittel, Kleidungsstück, Kleid) den Namen "Cotehardie", was in etwa mit "gewagter Cotte" übersetzbar ist.
 

Vorlage

Dieses Kleid folgt der Mode, wie sie in französischen Handschriften um die Jahrhundertmitte zu beobachten ist: enger, taillierter Schnitt, mit engen Ärmeln bis zu Schulter, am Unterarm, sowie frontal am Torso geknöpft. Es ist aus einerm gestreiften Wolltuch aus naturbrauner und weisser Wolle gefertigt. Die Knöpfe sind in anderer Farbe, mittels mit Cochenille rot gefärbter Wolle hergestellt.
Kleider ähnlicher Mode finden sich u.a. in den Funden aus Herjolfness, Grönland, wo sie jedoch in sehr vereinfachter Form gefertigt wurden, um die Mode auf dem Kontinent zu immitieren.

(In unserem Besitz seit 02/2007 / Stand 02.08.2009)
 

Quellangaben

AlexanderromanDer Alexanderroman, vermutlich ca. 1338-44 in Flandern (aus der Hand des flämischen Illustrators Jehan de Grise und seiner Werkstatt) entstanden, enthält Verse in französischem (picardischen) Dialekt und (ab 1400) Englisch über "Romance of the Good King Alexande" (über Alexander den Grossen), sowie illustrierte Berichte über die Reisen Marco Polos. Es stellt eine hervorragende Quelle für französische Mode um die Mitte- genauer der ersten Hälfte der 40ger Jahre- des 14ten Jahrhunderts dar.
BNF Fr 12, Lancelot du LacBNF Fr 12, Lancelot du Lac, Frankreich, 1350-60
Funde von HerjolfsnesIn dem Fundkomplex bei Herjolfsnes, Grönland, wurden zahlreiche Textilien des Zeitraumes 1300-ca.1420 gefunden, womit es eine der bedeutensten Fundquellen für spätmittelalterliche Textilien darstellt.
 

Empfohlene Literatur


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. Woven into the Earth: Textiles from Norse Greenland .
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Woven into the Earth: Textiles from Norse Greenland
Else Ostergard, Aarhus Universitetsforlag
Die Neuanalyse der Textilfunde im grönländischen Herjolfnes birgt an sich wenig spektakuläre Neuerungen gegenüber den ursprünglichen von Nordlund, durch die sehr plastischen Fotos der Originalstücke, der beigefügten Schnitte mit Maßen, den Kapitel über Textilverarbeitung in Grönland aber gewinnt das Buch einen ausserordentlichen Reiz für jeden Darsteller mit Interesse an Textilfunden.
8772889357 (German).
 

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