Kleidung - Flämische Frauengugel

Gugel aus krappgefärbter Wolle, mit handhewebtem Leinenfutter
(ca. 1280 - 1500)
Kapuzenmütze, oder Gugel, in dieser Form wahrscheinlich ausschliesslich von Frauen getragen

Diese Variante der Gugel lässt sich vor allem in der Region Nordfrankreich,Flandern und England nachweisen, jedoch auch im rechtsrheinischen Gebieten und Österreich.

Die ersten bildlichen Belege liegen uns im nordfranzösischen Raum vor 1300 vor, wo sich kurz danach auch die Bildquellen häufen, während sie erst später zeitweise ausserhalb Flandern und Frankreichs zu finden ist. Bis zum 15ten Jahrhundert verschwindet sie aus der süddeutschen Mode dann völlig, und bleibt nur im französisch-burgundischen, flämischen Raum, wie auch Norddeutschland teilweise, im Gebrauch.
 

Vorlage

Die Gugel wurde aus krappgefärbter Wolle genäht, und anschliessend mit naturfarbenen, handgewebtem Leinen gefüttert.

Als Vorlage dienten Abbildungen aus dem Alexanderroman und dem Codex Manesse, sowie Funde aus London und Herjolfness.
Frauengugel in der grossen Heidelberger Liederhandschrift, Nachtragsmaler um 1340, Österreich.
(In unserem Besitz seit 09/2005 / Stand 26.11.2009)
 

Quellangaben

Gugelhaube, Französisch-flämische Illumination, 1280 Gugelhaube, Französisch-flämische Illumination, 1280Gugelhaube, Französisch-flämische Illumination, 1280
Französische Handschrift, zweite Hälfte 14tes Jahrhundert Französische Handschrift, zweite Hälfte 14tes JahrhundertDamen beim Spinnen, mit Spinnrad, Rocken und Haspel
AlexanderromanDer Alexanderroman, vermutlich ca. 1338-44 in Flandern (aus der Hand des flämischen Illustrators Jehan de Grise und seiner Werkstatt) entstanden, enthält Verse in französischem (picardischen) Dialekt und (ab 1400) Englisch über "Romance of the Good King Alexande" (über Alexander den Grossen), sowie illustrierte Berichte über die Reisen Marco Polos. Es stellt eine hervorragende Quelle für französische Mode um die Mitte- genauer der ersten Hälfte der 40ger Jahre- des 14ten Jahrhunderts dar.
LondonfundeTextil-, Metall-, Buntmetall-, Holz-, Leder und Schuhfunde aus dem Hafenbecken von London
Funde von HerjolfnesIn dem Fundkomplex bei Herjolfnes, Grönland, wurden zahlreiche Textilien des Zeitraumes 1300-ca.1420 gefunden, womit es eine der bedeutensten Fundquellen für spätmittelalterliche Textilien darstellt.
David-codex, Paris, ca. 1320-40 David-codex, Paris, ca. 1320-40In dem Bild aus dem Davidscodex finden sich sehr frühe Hinweise auf Panzerhandschuhe des 14ten Jahrhunderts
Heidelberger LiederhandschriftDie Grosse Heidelberger Liederhandschrift, auch genannt "Codex Manesse", oder Pariser Handschrift stellt die bedeutenste und berühmteste Quelle deutscher Dichtkunst des ausgehenden Mittelalters dar. Ca. im Zeitraum 1305-1340 (inklusive Nachtragsmaler) entstanden, zeigt sie in den insgesamt 138 Miniaturen ausserdem historisierend Mode des ausgehenden 13ten Jahrhunderts, sowie Mode der ersten Hälfte des 14ten Jahrhunderts.
Luttrell PsalterDer Luttrell-Psalter, ein ca. 1330-45 in England entstandendes Psalmbuch, ist mit eine der wichtigsten, wenn auch sicher englischen Quellen für Kleidung und Werkzeuge der arbeitenden Bevölkerung im frühen 14ten Jahrhundert.

<< Zurück zu anderen Gegenständen in dieser Kategorie